Eine Ansprache zum Volkstrauertag 2017

Die Rede des Bürgermeisters Claus auf dem Barkser Friedhof:

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner von Barksen, liebe Feuerwehrkameradinnen und Kameraden,

es fällt mir heute nicht leicht eine versöhnliche, im Grundton optimistische und zuversichtliche Ansprache zum Volkstrauertag zu halten. Bereits in den letzten Jahren hatten sich weltweit Entwicklungen gezeigt, die unser Leben nicht friedlicher und sicherer gemacht haben. Heute müssen wir leider feststellen, dass unsere Welt noch bedrohlicher, gefährlicher und nationalistischer geworden ist.
Der unmenschliche Krieg im Nahen Osten setzt sich unvermindert fort, mit den Folgen von Flucht und terroristischen Anschlägen, die uns in Europa und Deutschland unmittelbar betreffen. Durch die weitgehende Schließung der Grenzen ist zwar der große Flüchtlingsstrom nach Europa und in unser Land gestoppt, das Problem beherrscht aber nach wie vor die politischen Debatten und sorgt für bedenkliche Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft.

Eine zunehmende Unzufriedenheit mit eigenen Lebensumständen führt zu Wut, Lügen und sogar Hass auf Andersdenkende. Unsere verhängnisvolle Vergangenheit mit zwei Weltkriegen wird verdrängt, unser Bundespräsident verurteilt in seiner Rede zur Deutschen Einheit zurecht die wiederauftauchende Rhetorik von „Blut und Boden“. Haben nicht viele Menschen vor den Kriegen gedacht und gesagt: Was da passiert, ist nicht gut –  aber so schlimm wird es schon nicht kommen?

Etwas anderes als diese Erwartung oder auch Hoffnung bleibt uns aber nicht übrig, wenn wir aktuell die Auseinandersetzung zwischen zwei narzisstischen Präsidenten in den USA und Nordkorea verfolgen. Über Japan fliegen 72 Jahre nach den Abwürfen von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki mit über 250 000 Toten wieder Raketen, die Atomsprengköpfe tragen können. Nicht das Fanal dieses furchtbaren Ereignisses bestimmt heute das Geschehen, sondern die Aufzählung von Sprengköpfen mit dem Potenzial von Massenvernichtung bildet die Grundlage von Drohgebärden.

In dieser Situation ist die Auszeichnung der internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, Ican, mit dem Friedensnobelpreis ein begrüßenswertes Zeichen und eine Mahnung an alle Atommächte. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Hilflosigkeit gegenüber Staaten, die ihre eigenen Interessen in den Vordergrund ihres Handelns stellen und nicht die Suche nach einem friedlichen Zusammenleben.
Die Angst, die weltweit, aber auch bei uns in Deutschland von diesen unverantwortlichen Aggressionen ausgeht, erinnert an die längst überwunden geglaubten Jahre des Kalten Krieges. Vor Kurzem habe ich das Museum des Regierungsbunkers der Bundesregierung im Ahrtal besucht. In diesem „Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland in Krise und Krieg“ wurde der Ernstfall eines Atomkrieges auf deutschem Boden geprobt.
Die Planbarkeit eines Ernstfalls mag heute naiv und unrealistisch erscheinen, an die Angst in der Bevölkerung in Zeiten der Kubakrise im Jahr 1962 und großer Manöver der Nato und des Warschauer Paktes in den 80er Jahren kann sich meine Generation jedoch noch gut erinnern.

In dieser Zeit hatte der Volkstrauertag bei vielen in der Bevölkerung noch eine größere Bedeutung als Mahnung für den Frieden, da die Schrecken des Krieges im eigenen Land noch nicht so verblasst waren wie heute. Es ist kein Zufall, dass die aktuelle Zeitenwende zu mehr Nationalismus bei uns, aber auch verstärkt in vielen anderen Ländern einhergeht mit dem Abschied einer besonderen Generation.
Für diejenigen, die den 2. Weltkrieg noch erlebt hatten, standen in den nachfolgenden Jahrzehnten Frieden, Verständigung und Ausgleich im Vordergrund. Sie waren sicherlich nicht anderen Generationen ethisch überlegen, sie hatten einfach nur Angst vor einem neuen Krieg.

Die kollektive Erinnerung endet, wenn die Zeitzeugen nicht mehr da sind. Oder nach einem Zitat des Philosophen Gabriel Marcel  „Weil die Toten schweigen, beginnt immer alles von vorn“.

Bei den nationalistischen Tendenzen und Parolen, die wir heute zunehmend hören müssen, wird die Vergangenheit oft in überzogen positiven Bildern dargestellt. Politik wird allein zur Diskussion über Gut und Böse, aber nicht darüber, wie Probleme zu lösen sind. Leider übertönen diese laut vorgetragenen Argumente auch in den Medien vermehrt diejenigen, die nur in einer europäischen, solidarischen Gemeinschaft eine lebenswerte Zukunft sehen. Der französische Präsident Macron hat dies klar ausgedrückt: „Nur Europa hat die Größe, seine Bürger wirksam zu schützen, um ihre Freiheit zu sichern“.

Liebe Einwohnerinnen und Einwohner, liebe Feuerwehrkameradinnen und Kameraden,

meine Anmerkungen zum heutigen Volkstrauertag mögen Ihnen in unserem persönlichen und lokalen Umfeld vielleicht zu pessimistisch und negativ erscheinen. Ich möchte sie aber als Mahnung und Aufruf verstehen, für die Grundwerte unserer Demokratie, für Toleranz und ein friedliches Miteinander einzutreten. Dieses sind wir unseren Kindern und Enkelkindern schuldig. Wir dürfen die Errungenschaften unserer Generationen wie Frieden, Freiheit und Wohlstand nicht leichtfertig verspielen.
Der Volkstrauertag ist in dieser Hinsicht alles andere als ein allmählich verblassendes, rückwärts gewandtes Ritual. Er ist ein Tag, der uns erinnert, dass all die genannten Werte nicht selbstverständlich sind. In der Präambel der UN-Kulturorganisation UNESCO heißt es:

„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“

© Dieter Claus

EIN- oder ZU-Wandern?

Eine Betrachtung

Wörter mit „Ein-“ bezeichnen Vorgänge, die das Innere oder den Kern von Etwas betreffen. „Zu-“ führt an dieses Etwas heran, nicht hinein. Ein  Zu-lauf ist nicht dasselbe wie ein Ein-lauf.
Ein Zu-gang ist nicht dasselbe wie ein Ein-gang: Der Eingang führt ins Innere eines Hauses; der Zugang eher auf den Eingang hin, in seine Nähe, und auch nur bis zum Eingang.
Zu-flüstern ist die eher harmlose Aktivität, damit ein Anderer die Wörter des Flüsternden nicht hören kann; Ein-flüstern ist auf das Innere gerichtet, will etwas bezwecken oder auslösen.

Zu-wanderer wollen sich den Einwohnern lediglich nähern, und sie wollen nicht eins werden mit ihnen. Sie bleiben zunächst kritisch auf Abstand.
Ein-wanderer (Emigranten) wollen in dem Land bleiben, in das sie ausgewandert sind; sie haben ihr Heimatland für immer verlassen, zumindest auf nicht absehbare, lange Zeit.
Migranten dagegen haben sich noch nicht entschieden, wollen sich erst einmal informieren und orientieren, oder abwarten, bevor sie sich entscheiden.

Solche semantischen Wortspiele haben nicht nur sprachwissenschaftliche Bedeutung, sie können die Aussagen in Diskussionen der Medien und der Politik verschleiern, aber auch aufhellen!

Gedanken zum Gedenken

In Deutschland ist der Volkstrauertag der Tag, der drei Generationen zuvor noch Heldengedenktag genannt wurde. Fixiert im  Monat November vor dem Totensonntag bietet er eine Gelegenheit sich zum Thema Gewalt Gedanken zu machen.

Amtsträger unter den Politikern, bei den Verbänden und Vereinen im ganzen Land erinnern aus diesem Anlass bei Kranzniederlegungen mit mehr oder weniger besinnlichen Worten an den Tod von Soldaten ( sogenannt Gefallene) der vergangenen Kriege, machmal auch von Blechmusik begleitet. An Denkmälern ist abzulesen, welche Einwohner eines Ortes im letzten Jahrhundert unter den schrecklichen Bedingungen des Machtkalküls des jeweiligen Landesherrn gestorben sind, für Ideen, die sie damals mittragen und erdulden mussten.
Kaum noch Publikum versammelt sich, was den Veranstaltungen einen Sinn gäbe; Beifall ist nicht angesagt, nur beredtes Schweigen.

Unter dem Eindruck der beziehungslosen Gedenkminuten, erhebt sich für später geborene die Frage: wozu der Aufwand und für wen?  Gibt es doch Gott sei Dank hierzulande kaum Familienangehörige, Freunde oder sonst wie Nahestehende, die vom plötzlichen Tod eines Soldaten direkt betroffen sind.

Doch überall auf der Welt, auch wieder in unserem Land, sterben Menschen als Opfer von Kriegsereignissen. Politiker, Analytiker und kirchliche Würdenträger beschreiben dieses Leid und rufen gebetsmühlenartig dazu auf, die Ursache von Auseinandersetzungen aller Art zu erforschen und daraus Lehren zu ziehen; die Medien berichten darüber spektakulär. Wie erfolgreich ist der Aufruf , welche Betroffenen wird es trösten?

Wir haben seit fast siebzig Jahren in unserem Land keinen Krieg mehr erleben müssen, wir leben in einem der wohlhabendsten Länder der Erde und leisten es uns, unsere an Kriegen reiche Vergangenheit zu vergessen: Unser Schulsystem fördert dies, weil der Geschichtsunterricht für unsere Kinder nur als ein trockenes, langweiliges Pflichtfach empfunden wird. Wie können unsere Nachkommen aus der Vergangenheit lernen, wie sollen sie Zusammenhänge erkennen, wenn kein geschichtliches Grundwissen vorhanden ist: Welche Bedeutung hatten die Christianisierungskriege Karls des Großen für die norddeutschen Sachsen, welche Folgen hatte der Dreißigjährige Krieg, der bis zu 40% der Bevölkerung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation das Leben kostete, etwa 6 Millionen Menschen? Deutsche Bürger reisen gern in alle Welt, besuchen Museen, Schlösser und großartige Kirchen. Wie sollen sie die Worte der Reiseführer in unsere Geschichte einordnen wenn sie sie nicht kennen?

Das meistgelesene Buch der Welt, die Bibel, und die historischen Nachfolgewerke zeigen auf, welche Opfer die Menschheit seit fast dreieinhalb tausend Jahren immer wieder hat bringen müssen. Woraus man nur folgern kann: an diesen „Opferritualen“ wird sich wohl nichts Wesentliches ändern.
Gewaltsamer Tod betrifft nicht nur Soldaten; jeder kann Opfer eines Verbrechens oder katastrophalen Ereignisses werden und den Angehörigen Leid und Trauer bringen, auch sie sollten am Volkstrauertag in das Gedenken einbezogen sein –  und sei es auch in Stein gemeißelt!

Pamphlet zur Schillathöhleneröffnung 2004

Eintrag ins Gästebuch  der Webseite der Stadt Hessisch Oldendorf im August 2004:

» Da entdeckt aus der Ferne ein heimatliebender, gelegentlicher Internetsurfer die magere Information, daß am 21. August 2004 die Eröffnung der Schillathöhle stattfinden soll. Obwohl Höhlenbesichtigungen für die Öffentlichkeit schon seit einem Jahr möglich sind, findet dieser späte Termin Verständnis. Manche Einrichtungen konnten wegen der oft üblichen rechtlichen, kommerziellen oder politischen Querelen wohl nicht früher fertig werden.

Nun ist eine Tropfsteinhöhleneröffnung weniger ein alltägliches als eher ein Jahrhundertereignis, das von allen Bewohnern der Umgebung gebührend gefeiert werden sollte. Weil man erstens Feste feiert, wie sie fallen, zweitens damit die Bindung an dieses neue Stückchen Heimat allgemein gefördert würde, und drittens alle Höhlen nicht Hoheitsgebiet des Grundeigentümers, der Politiker oder sonstiger Interessenverbände sind, sondern weil sie – wie alle Bodenschätze – dem Staat gehören und damit uns allen.

Und Schatzfunde wie die Schillathöhle müssen gefeiert werden; mit allen, die das Süntelgebiet als ihre Heimat kennen, aber auch mit denen, die das einzige Waldstück dieser Erde, in dem sich die Süntelbuchen seit der letzten Eiszeit durch Mutation entwickelt haben, bisher nur vom Autositz aus gesehen haben.

Was nun zu bemängeln ist: wie konnten Verantwortliche eine Eröffnungsfeier planen mit nahezu intimen Teilnehmerkreis, ohne alle betroffenen Höhlennachbarn einzuladen? Ohne ein Volksfest mit Blasmusik!

Eine wirkungsvollere Gelegenheit, Naturschutzbünde, Heimat, – Gesangs- oder andere musische Vereine mit Höhlenanwohnern zusammen zu bringen und zu feiern, kommt sobald nicht wieder!
An eine Tropfsteinhöhleneröffnung könnten sich die Kinder von Heute – und besonders zu erwähnen – auch die Neubürger und Zugezogenen nach vielen Jahren noch gerne erinnern.
Man kann nur das schätzen und lieben, was man kennt.
Schade. «

Der Verfasser hat aber mit einer gewissen Dickfelligkeit trotzdem am Festakt teilgenommen
 Der Eintrag wurde irgendwann in 2006 wieder entfernt.

 

Ehlen Landwirtschaftsminister

Ehlen, Landwirtschaftsminister Niedersachsen, anlässlich der Eröffnungsfeier